„Was einmal ausgestorben ist kommt nicht wieder zurück“ – SPD Naila für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“

Beführworter des Volksbegehrens Artenvielfalt "Rettet die Bienen"
Rettet die Bienen

Naila - Das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ ist ein breites Bündnis von engagierten Menschen, Organisationen und Unternehmen, dass auch in Naila zahlreiche Unterstützer findet. Daniel Hohberger als SPD-Ortsvorsitzender Naila hatte zum Treffen eingeladen, um auf das Volksbegehren und auf die Sonderöffnungszeiten der Rathäuser hinzuweisen. „Die Natur kann sich nicht wehren und wir spüren wohl erst zu spät die Folgen“, unterstrich Hohberger. Er appellierte, dass sich ein jeder seine eigene Meinung bilden und nicht durch „Scharfmache“ beeinflusst werden sollte, in Richtung des Landrates Dr. Oliver Bär, der zuletzt verkündete, dass bei einem positiven Volksbegehren das Fleisch aus Argentinien importiert werden muss. „Ich persönlich empfinde, dass es weniger Vögel in den Gärten gibt und auch weitaus weniger Insekten wie noch vor ein paar Jahren und das sollte jedem zu denken geben.“ Hohberger unterstrich eindringlich „Was ausgestorben ist, dass kommt nicht wieder, deshalb gilt es jetzt zu handeln.“ Er erläuterte, dass zehn Prozent der Bevölkerung dem Volksbegehren zustimmen müssen, um das Thema in den Landtag zu bringen.“

Zweiter Vorsitzender des Nailaer Obst- und Gartenbauvereins Erwin Rank hat bereits vor einigen Jahren einen Rückgang von Bienen und Insekten im Allgemeinen in seinem Garten in Froschgrün bemerkt. „Ich habe nichts gegen die Landwirte, aber durch die viele Silage gibt es keine Blumen mehr und damit auch keine Nahrung für die Bienen und Insekten.“ Rank sieht auch den Einsatz der Mähroboter in den Privatgärten als kritisch, da diese für einen stetigen kurzen Rasen sorgen und somit keine Gräser und Blume wachsen können. „Erst, wenn es zu spät ist, dann kommt das große Erwachen“, merkt der Gartenfreund an, der eine sich seit Jahren verändernde Vegetation in Sachen blühender Wiesen festgestellt hat. Alfred Neumeister von der Baumpflegervereinigung berichtet von Feststellungen der Obstbaumbesitzer bei Schnittkursen. „Der Apfelbaum hat so schön geblüht, aber dann keine Früchte getragen.“ Für Alfred Neumeister nicht verwunderlich. „Wir brauchen die kleinen Helferchen, sprich die Bienen zum Bestäuben, sonst kann kein Fruchtansatz erfolgen“, erklärt Neumeister und appelliert an Gartenbesitzer doch Insektenhotels aufzustellen, denn nicht nur Bienen werden weniger, sondern auch die Insekten im Allgemeinen. „Der Mensch ist das einzige Lebewesen, was sich selber abschafft, wenn er so weitermacht“, bilanziert Alfred Neumeister resignierend. Er rät zudem, doch nicht mehr so viele Lebensmittel zu produzieren, die letztendlich weggeworfen werden. „Wir können nicht ständig dem Profit hinterherjagen und machen dabei alles kaputt.“ Als weiteres sichtbares Beispiel für den Rückgang der Insekten nennt er die Urlaubsfahrten mit viel weniger Insekten an der Frontscheibe. „Früher musste man unterwegs mal anhalten und das Fenster säubern, aber das ist heutzutage nicht mehr notwendig, weil es deutlich weniger Insekten gibt, die auf der großen Scheibe landen.“ Neumeister unterstreicht zudem, dass Insekten keine Schädlinge, sondern kleine Nutztierchen sind. „Wir müssen umdenken zum einem `Zurück zur Natur“ und sollten wieder nach den Regeln der Natur leben.“ Der Vorsitzende der Ortsgruppe vom Bund Naturschutz Frankenwald Ost Klaus Schaumberg bilanziert, dass sich zur Unterstützung des Volksbegehrens ein breites Bündnis aufgestellt hat. „Ganz wichtig ist dabei zu wissen, dass auch bäuerliche Organisationen dahinterstehen.“ Er unterstreicht, dass beim Bund Naturschutz das Artensterben schon seit Jahrzehnten ein Kernthema ist und nun auch als Topthema in der Bevölkerung. „Es geht um gesetzliche Rahmenbedingungen, um nachhaltiges Wirtschaften in der Landwirtschaft.“ Er unterstreicht, dass es sich auch vorab nur um einen Gesetzesvorschlag handelt, den es noch zu debattieren, zu konkretisieren und zu differenzieren gilt. „Die Landwirtschaft gilt zwar als Hauptverursacher des Artensterbens, nutzt aber letztendlich nur die gesetzlichen Freiheiten und deshalb ist eine ökologische Landwirtschaft für den Erhalt der Biodiversität notwendig.“ Schaumberg unterstreicht, dass es aber nicht um Naturschutz gegen Landwirtschaft geht. Imker Uwe Bodenschatz aus Naila mit zehn Bienenvölkern erklärt, dass die Bienen prinzipiell von der parasitären Milbe geschädigt sind und jede weitere Beeinträchtigung im Lebensraum es den Bienen nur noch schwerer macht. „Es gilt den Lebensraum der Bienen zu erhalten und vor allem auch zu verbessern.“ Uwe Bodenschatz bezeichnet den Imker als Landwirt ohne Land, der auf die Landwirte angewiesen ist, die eine heimische Blütenvielfalt ermöglichen und unterstützen. „Es ist wie bei uns Menschen, auch die Bienen brauchen einen reichen abwechslungsreich gedeckten Tisch.“

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